Insolvenzverfahren im Ausland

Die deutsche Insolvenzordnung sieht eine Restentschuldung (d.h. Befreiung von allen so genannten „Altlasten“) nach Ablauf eines kompletten Insolvenzverfahrens inklusive der Wohlverhaltensperiode binnen 6 Jahren vor.

In anderen EU Ländern, wie z.B. Groß Britannien oder Frankreich läuft das gesamte Verfahren ca. 12 Monate bis zum vollständigen Schuldenerlass also der Restschuldbefreiung.

Diese kurze Zeit ist bedingt durch eine komplett andere gesetzliche Regelung. Rechtliche Bedingung für ein Insolvenzverfahren im EU-Ausland ist, dass der Lebensmittelpunkt, d.h. der ständige Wohnsitz dort sein muss. Das bedeutet in finaler Konsequenz, dass man nach in ein anderes EU-Land umziehen müsste und für einen solchen Neuanfang nicht unerhebliche Geldmittel benötigt oder ein entsprechendes Anstellungsverhältnis finden müsste. Somit ist dieser Weg legal nicht ohne Wagnisse zu initiieren.

Mittlerweile bieten zahlreiche Firmen an, Wege zu einem Insolvenzverfahren in einem EU-Land zu öffnen und durch diese Insolvenzzeit zu begleiten. Diese Offerten sind mit nicht unerheblichen Kosten verbunden und auf Nachfragen, bieten diese Firmen eine Scheinadresse im Ausland an. Bei Beschreitung dieses Weges muss sich jeder, der in begeht, bewusst sein, dass er illegal ist. Der Schuldner, der in Deutschland Schulden angehäuft hat und dann zum Schein in ein EU-Nachbarland unter Umgehung der deutschen Insolvenzverordnung geht, begeht hiermit verschiedene Straftaten, die auch ein Wiederaufleben der Verbindlichkeiten nach sich ziehen kann.

Wir raten Ihnen ab, einen solchen Weg einzuschlagen, wenn Sie kein entsprechendes Arbeitsangebot im Ausland haben.

Es gibt auch in Deutschland legale Wege, den Insolvenzzeitraum zu verkürzen. 

Mit der EU-Verordnung Nr. 1346/2000 vom 29.05.2000 über Insolvenzverfahren wurde seitens der EU geregelt, dass EU Bürger in jedem EU Land, in dem sie ihren Lebensmittelpunkt nachweisen können, ein so genanntes Insolvenzverfahren anmelden können und dass innerhalb der EU diese Verfahren anerkannt werden. So kann z. B.  ein Deutscher in England oder in einem anderen Land, unter der Voraussetzung, dass dort sein Lebensmittelpunkt besteht, Insolvenz anmelden und dieses Verfahren nachher in Deutschland auch anerkannt wird, selbstverständlich nach den jeweils im angemeldeten Land herrschenden Gesetzgebungen, die unterschiedlich sind.

Zum besseren Verständnis haben wir in dem nächsten Unterpunkt diese EU-Verordnung zum Nachlesen und besserem Verständnis veröffentlicht.